3/10 Elternsolo
Lesen Sie hier einen der zahlreichen Artikel aus der Ausgabe 3/10 "Elternsolo" der Zeitschrift WirbelWind:
Nicole Ritsch

Das klassische Bild einer Familie ist ein idyllisches: Vater, Mutter, Kind(er). Mit der gesellschaftlichen Realität hat es immer weniger gemein. Inzwischen sind fast ein Fünftel aller Familien so genannte Einelternfamilien.
Solo? Kein Problem!
Unabhängig von der Ursache gelten Alleinerziehende und ihre Kinder als Risikogruppe: für schlechte Schulnoten, für Verhaltensauffälligkeiten, für Partnerschaftsprobleme. Doch die Single-Parent-Forschung zeigt, dass die Familienform nur indirekten Einfluss auf das Wohlbefinden und die Entwicklung eines Kindes hat: Was zählt, ist die Bindungsqualität zwischen Eltern und Kind. Auch in einer Langzeitstudie der Ludwig-Maximilians-Universität München fielen Kinder von Alleinerziehenden und jene aus Stieffamilien nicht negativ auf, weder im körperlichen noch im sozialen Bereich. Kommt es doch zu Problemen, sind oft finanzielle Sorgen oder nicht enden wollender Streit zwischen den Eltern die Ursache.
Tatsächlich beeinflusst das Familienklima die Entwicklung eines Kindes mehr als die Familienform, in der es aufwächst. Ständiger Streit, egal ob vor der Trennung oder danach, wirkt sich äusserst negativ auf die soziale Entwicklung von Kindern aus. Sie neigen zu Depressionen, aggressivem Verhalten, schulischen Auffälligkeiten und Problemen in der eigenen Partnerschaft. Und: Alleinerziehend zu sein ist nachweislich ein Risikofaktor für Armut. Fast jedes zweite von Armut betroffene Kind in Deutschland stammt aus einer Einelternfamilie. Ein familien-unfreundlicher, unflexibler Arbeitsmarkt, fehlende und qualitativ mangelhafte Kinderbetreuungsplätze und die immer noch schlechtere Bezahlung von Frauen tragen dazu bei.
Gemeinsam statt einsam
Doch auch, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, bleibt es eine komplexe, anspruchsvolle Aufgabe, seine Kinder alleine oder gemeinsam mit einem getrennt lebenden Partner aufzuziehen. Neben finanziellen und organisatorischen Schwierigkeiten ist auch das Regeln des Umgangs des Kindes mit dem jeweiligen Partner eine Herausforderung. Auch hier gilt: Eine allgemein gültige, „optimale“ Lösung gibt es nicht. Gegenseitiger Respekt, ehrliche Kommunikation und das Eingehen auf die Bedürfnisse des Kindes können dazu beitragen, eine Lösung zu finden, die für alle Beteiligten passt.
Für Kinder ist Familie „elementarer Bezugspunkt, primäre Sozialisationsinstanz, Heimathafen“ (World Vision Kinderstudie 2007); sie bietet Rückhalt, Schutz und Sicherheit. Die Konstellation spielt dabei eine sekundäre Rolle. Ob Patchwork-, Mehrgenerationen- oder Stieffamilie, nichteheliche Lebensgemeinschaft, Adoptiv- oder gleichgeschlechtliche Eltern: Wenn auf sie eingegangen wird, fühlen Kinder sich in einer Familie wohl, egal, ob sie der gesellschaftlichen Norm entspricht.


